Paketverlust im Heimnetzwerk

Wenn Paketverlust auftritt, ist der erste Gedanke meistens: Der Internetanbieter ist schuld. Und manchmal stimmt das auch. Aber ein erstaunlich grosser Teil der Paketverluste entsteht innerhalb der eigenen vier Waende, zwischen Ihrem Geraet und dem Router, der nur drei Meter entfernt steht.

Die Verkabelung in Ihren Waenden, die Steckverbindungen zwischen Ihren Kabeln, der billige Switch unter dem Schreibtisch, sogar Staub in Ihrem Ethernet-Anschluss: All das kann Paketverluste verursachen, die kein Tarif-Upgrade der Welt beseitigen wird. Wenn Sie Ihren Anbieter bereits kontaktiert haben und dort alles in Ordnung ist, liegt das Problem vielleicht naeher als gedacht.

Warum sich Paketverlust im Heimnetzwerk anders verhaelt

Paketverlust beim Internetanbieter ist in der Regel gleichmaessig und betrifft alle Nutzer am selben Knotenpunkt. Paketverlust im Heimnetzwerk ist anders. Er tritt meist sporadisch auf, als zufaellige Spitzen statt als konstante Grundstoerung. Ein Kabel mit wackeligem Kontakt kann stundenlang funktionieren und dann 30 Sekunden lang Pakete verlieren, wenn jemand vorbeigeht und der Boden vibriert. Ein defekter Switch-Port laesst Pakete vielleicht nur unter hoher Last fallen.

Dieses unberechenbare Verhalten macht Heimnetzwerk-Probleme schwerer zu diagnostizieren. Ein kurzer Geschwindigkeitstest kann voellig unauffaellig ausfallen, aber ein 10-minuetiger Paketverlust-Test (wie ihn PacketProbe durchfuehrt) erkennt die periodischen Ausfaelle, die ein 5-Sekunden-Test uebersieht.

Lockere und beschaedigte Ethernet-Kabel

Das ist die haeufigste Ursache fuer Paketverlust im Heimnetzwerk und gleichzeitig die am leichtesten zu uebersehende. Ethernet-Stecker (RJ45-Stecker) basieren auf acht winzigen Kupferkontakten, die gegen acht Pins im Anschluss druecken. Wenn auch nur einer dieser Kontakte keine feste Verbindung hat, entstehen Fehler.

Worauf Sie achten sollten

Die Loesung

Tauschen Sie das Kabel aus. Das ist der guenstigste und schnellste Diagnoseschritt, den Sie unternehmen koennen. Halten Sie ein bekannt funktionierendes Cat5e- oder Cat6-Patchkabel speziell zum Testen bereit. Wenn der Paketverlust mit dem neuen Kabel verschwindet, haben Sie die Ursache gefunden.

Zu viele Verbindungspunkte

Jede physische Verbindung in Ihrem Netzwerkpfad ist eine potenzielle Fehlerquelle. Jede einzelne fuehrt zu einem kleinen Signalverlust (der sogenannten Einfuegungsdaempfung) und zu einer moeglichen Impedanzfehlanpassung, bei der das elektrische Signal teilweise reflektiert wird, anstatt sauber durchzugehen.

Eine einzelne hochwertige Verbindung ist kein Problem. Kritisch wird es, wenn sich die Verbindungspunkte summieren.

Typische Verursacher

Verbindungspunkte zaehlen

Verfolgen Sie den physischen Weg von Ihrem Computer zum Router. Zaehlen Sie jeden Punkt, an dem ein Kabel in etwas eingesteckt oder mit einem anderen Kabel verbunden wird. Ein typisches Problemszenario sieht so aus:

PC → Patchkabel → Koppler → Patchkabel → Wanddose → Kabel in der Wand → Patchpanel → Patchkabel → Switch → Patchkabel → Router

Das sind 9 Verbindungspunkte. Vergleichen Sie das mit einer direkten Verbindung:

PC → Patchkabel → Router

Das sind 2 Verbindungspunkte. Jede zusaetzliche Verbindung ist eine weitere Moeglichkeit fuer Probleme. Fuer die besten Ergebnisse halten Sie den Pfad so einfach wie moeglich.

Billige oder defekte Switches

Unmanaged Ethernet-Switches finden sich in Millionen von Heimnetzwerken, meist hinter einem Schreibtisch versteckt, um zusaetzliche Anschluesse in einem Raum mit nur einer Wanddose bereitzustellen. Meistens funktionieren sie problemlos. Aber billige Switches koennen auf nicht offensichtliche Weise zu einer Quelle von Paketverlust werden.

Hitze und Alterung

Switches, die heiss laufen (besonders luefterlose Modelle, die hinter Moebeln ohne Luftzirkulation stecken), verschleissen mit der Zeit. Die Kondensatoren im Inneren trocknen aus, die Stromversorgung wird instabil, und der Switch beginnt unter Last Pakete zu verlieren. Ein Switch, der fuenf Jahre lang einwandfrei funktioniert hat, kann schleichend unzuverlaessig werden, ohne aeusserlich erkennbare Anzeichen.

Port-Aushandlungsprobleme

Wenn sich ein Geraet mit einem Switch-Port verbindet, handeln beide Geschwindigkeit (100Mbps vs. 1Gbps) und Duplex (Halb- vs. Vollduplex) aus. Ein defekter Port oder ein grenzwertiges Kabel kann dazu fuehren, dass die Verbindung auf 100Mbps herunterhandelt, oder schlimmer noch, auf Halbduplex. Halbduplex-Verbindungen verursachen Kollisionen, und Kollisionen verursachen Paketverlust. Sie koennen Ihre aktuelle Verbindungsgeschwindigkeit in den Netzwerkadapter-Einstellungen Ihres Betriebssystems ueberpruefen.

Uebergelaufene Puffer

Guenstige Switches haben winzige Paketpuffer. Wenn mehrere Geraete gleichzeitig viel Datenverkehr erzeugen (jemand startet einen grossen Download, waehrend Sie spielen), fuellt sich der Switch-Puffer und beginnt, Pakete zu verwerfen. Das passiert besonders haeufig bei 5-Port-Desktop-Switches in einem Haushalt mit vielen aktiven Geraeten.

Die Loesung

Wenn Sie einen Switch im Verdacht haben, umgehen Sie ihn. Stecken Sie das Kabel direkt in Ihren Router und testen Sie erneut. Wenn der Verlust verschwindet, tauschen Sie entweder den Switch aus oder probieren Sie einen anderen Port. Ein ordentlicher Gigabit-Switch einer bekannten Marke kostet 15-25 Euro und kann Ihnen stundenlange Fehlersuche ersparen.

WLAN-Probleme, die wie kabelgebundene Probleme aussehen

Wenn irgendein Teil Ihres Netzwerkpfads drahtlos ist, kommt Ihr Paketverlust mit ziemlicher Sicherheit daher. Aber manche drahtlosen Verbindungen sind nicht offensichtlich:

Wenn Sie eine dieser Technologien verwenden und Paketverlust feststellen, testen Sie mit einer direkten Ethernet-Verbindung zu Ihrem Hauptrouter. Wenn der Verlust dann verschwindet, ist die drahtlose oder alternative Verbindung die Schwachstelle.

So grenzen Sie das Problem ein

Die Diagnose von Paketverlust im Heimnetzwerk ist ein Ausschlussverfahren. Das Ziel ist es, Ihren Netzwerkpfad Schritt fuer Schritt zu vereinfachen, bis der Verlust verschwindet.

Schritt 1: Direkt am Router testen

Schliessen Sie einen Laptop oder PC mit einem kurzen, bekannt funktionierenden Ethernet-Kabel direkt an Ihren Router an. Fuehren Sie einen Paketverlust-Test von mindestens 30 Sekunden durch. Das ergibt Ihre Basislinie. Wenn hier bereits Verluste auftreten, liegt das Problem entweder am Router selbst oder bei Ihrem Internetanbieter.

Schritt 2: Nacheinander jedes Glied hinzufuegen

Fuegen Sie jedes Element Ihres normalen Netzwerkpfads einzeln wieder hinzu und testen Sie nach jeder Aenderung:

  1. Test nur mit dem Router (Basislinie)
  2. Switch hinzufuegen: Verbindung ueber Ihren Switch herstellen und erneut testen
  3. Kabelstrecke hinzufuegen: Wanddose und Unterputzverkabelung statt direktem Kabel verwenden
  4. Alle Koppler oder Verlaengerungen hinzufuegen, die Sie normalerweise nutzen

Sobald der Paketverlust auftritt, haben Sie das problematische Glied gefunden.

Schritt 3: Austauschen und ueberpruefen

Wenn Sie die fehlerhafte Stelle identifiziert haben, ueberpruefen Sie dies durch Austausch der Komponente. Versuchen Sie ein anderes Kabel, einen anderen Switch oder einen anderen Port. Wenn Sie eine Wanddose im Verdacht haben, ueberbruecken Sie diese voruebergehend mit einem Kabel entlang der Fussleiste.

Kurz-Checkliste

Bevor Sie Geld fuer neue Geraete ausgeben, gehen Sie diese Liste durch:

Wenn es doch am Internetanbieter liegt

Wenn Sie direkt am Router mit einem kurzen, neuen Kabel getestet haben und immer noch Paketverlust auftritt, liegt das Problem beim Anbieter. Dann haben Sie handfeste Daten, die Sie Ihrem Internetanbieter vorlegen koennen. Screenshots Ihrer PacketProbe-Testergebnisse mit konstantem Paketverlust ueber eine kabelgebundene Verbindung lassen sich vom Support deutlich schwerer abtun als ein "Mein Internet fuehlt sich langsam an."

Sie koennen Ihre Testergebnisse auch direkt teilen und Ihrem Anbieter einen Link mit den genauen Verlustraten, Latenzwerten und Jitter-Werten Ihrer Verbindung senden.